Infos zu (THÃœRINGER REITPFERD (THÃœRINGER WARMBLUT))


Rassenname:
THÜRINGER REITPFERD (THÜRINGER WARMBLUT)

Zuchtland:
Deutschland

Zuchtgebiet:
Thüringen

Besonderheiten:
Alte Rasse, Name der Rasse vom Zuchtgebiet, gehört zur Gruppe Deutsches Sportpferd und somit zur Rassegruppe Deutsches Reitpferd

Größe:
157 cm bis 165 cm

Gruppe:
Rasse

Blut:
Warmblut

Gemeinsam mit den anderen bekannten warm(halb)blütigen Reitpferderassen Deutsch-lands gehört auch das Thüringer Warmblut oder Reitpferd zu der Rassegruppe Deutsches Reitpferd, obwohl es innerhalb dieser Gruppe zur Rassegruppe Deutsches Sportpferd zählt. Diese Gruppe von Reit -und Sportpferden werden alle nach dem gleichen Leistungsprinzip gezüchtet und nähern sich heute in Erscheinung, Aussehen und Abstammung immer weiter an.
Die „Thüringer Rosse“ hatten schon im frühen Mittelalter einen guten Ruf. Die Bedürfnisse in Thüringen begün¬stigten die Zucht eines Arbeitspferdes, be¬vorzugt Belgier, Rheinländer, Dänen und Oldenburger, wobei der Oldenburger bald auf dem Vormarsch war.
In der ersten Hälfte des 19.Jh. wurde die Reitpferdezucht in Thüringen stark eingeschränkt weil es zu einer allgemeinen Schließung der fürstlichen Gestüte kam. Man wandte sich nun vermehrt der Zucht von Wirtschaftspferden zu. Das erste Stutbuch wurde im Jahre 1903 angelegt und das Körgesetz 1922 erlassen, wodurch die Pferdezucht mit dem Schwerpunk-ten Kaltblut und schweres Warmblut in geordnete Bah¬nen gelenkt wurde. Das schwere Warmblut bildete dabei den bodenständigen Schlag. Da der Pferdesport in Thüringen vor und nach dem 2. Weltkrieg keine so bedeutende Rolle wie in den anderen Bundesländern spielte, nahm die Reitpferdezucht in Thüringen erst nach Abschluss der Motorisierung und Mechani¬sierung der Landwirtschaft Ende der 60er Jahre zu. Doch schon nach dem 2. Weltkrieg gab es in Thüringen Bestrebungen ein edles Warmblut zu züchten. Dies war am Anfang nicht einfach. Im Jahre 1948 wurden 92 Stuten der Rasse edles Warmblut in das Stutbuch eingetragen, denen im nächsten Jahr noch einmal 29 folgten. Diese Pferde wurden von 103 Züchtern gehalten. Leider konnten nur 3 dieser Stuten in das Hauptstammbuch eingetragen werden die anderen kamen nur in das Stammbuch oder Vorbuch. Dies geschah aber nicht wegen Exterieurmängeln oder schlechter Leistungen, sondern aus Mangel an genauen Abstammungsnachweisen, denn um diese hatte man sich bei Kauf oder Zucht bisher nicht gekümmert oder es gab sie einfach nicht. Außerdem wurde die Zucht des edlen Warmbluts in Thüringen offiziell nicht betrieben. Auch an eine Hengstaufzucht war nicht zu denken. Um die eingetragenen Stuten aber in der Zukunft in Reinzucht nutzen zu können musste sich hier etwas ändern. Dazu wurden 1948 9 Hengste angekört und teilweise aner-kannt. Dies waren 7 edle Warmbluthengste und je 1 Trakehner und 1 Vollblüter. Leider blieben diese Hengste wegen der gleichen Abstammungsproblematik wie bei den Stuten auch nur so lange in der Zucht bis sie durch Hengste mit reiner und vollständiger Abstam-mung ersetzt wurden. Das Zuchtziel war ein Pferd für alle Disziplinen des Reitsports und auf Zugleistungen wurde verzichtet, da die damaligen Zuchtleiter noch immer der Meinung waren das in Thüringen nur Kaltblüter und schwere Warmblüter die erforderlichen Zugleistungen erbringen könnten. Als Selektionsmaßnahme der edlen Warmblüter sollte nun deren im Sport erbrachte Leistung Berücksichtigung finden.
Bis 1955 stieg die Anzahl der eingetragenen Stuten nur gering und war in den nächsten 10 Jahren sogar rückläufig. Die neuen edlen Warmblüter waren einfach nicht gefragt und es gab keine Käufer. Viele landwirtschaftliche Betriebe hielten an den bewährten schweren Warmblütern fest. Der Tiefpunkt der edlen Warmblüter kam 1965 mit nur noch 51 eingetragenen Stuten, diese waren von bester Qualität, konnten doch bis 1970 fast 46 % in das Hauptstammbuch eingetragen werden, während der Anteil der Eintragungen in das Vorbuch von fast 70 % auf nur noch 10 % sank. Bis 1970 standen im Schnitt 2 Deck-hengste den Züchtern zur Verfügung, wobei ab 1959 ständig einer in der Deckstation von Erfurt-Stotterheim stand.
Im Jahre 1970 wurde in dem neu errichteten VE Gestüt Zöthen der Hengst GREIF MO 1278, geboren 1967 aufgestellt. Er war ein Warmblüter Trakehner Abstammung, da diese Abstammung bei fast allen Pferden des edlen Warmbluts vorhanden war ist hier von einer stark ostpreußisch orientierten Zucht zu sprechen.
Bis dahin hatten sich in Brandenburg und Mecklenburg schon bedeutende eigene Warm-blutrassen entwickelt, die in der ehemaligen DDR zu der Rassegruppe edles Warmblut zählten. Hierbei waren besonders die Mecklenburger Pferde schon seit 1895 stark am Hannoverischen Zuchtziel orientiert. Beide Rassen schufen eine gesunde Basis die mit Pferden Trakehner und Hannoveraner Abstammung ergänzt wurden.
Durch den Einsatz dieser Pferde aus den klassischen Zuchtgebieten und der Zufuhr von einigen speziellen englischen Vollbluthengsten, sowie auch Pferden Trakehner Abstammung versuchte man nun auch in Thüringen dem wachsenden Bedarf an Reit-und Sportpferden Rechnung zu tragen. Leider wurde durch den Einsatz der Englischen Vollblüter später durch Hengste Trakehner Abstammung und zum Schluss durch Hengste des edlen Warmbluts eine Verdrängungskreuzung des alten schweren Warmbluts in Sachsen und Thüringen durchgeführt. Nur einigen wenigen Züchtern und Haltern dieser schweren Pferde ist deren Erhalt zu verdanken.
Nach 1970 kam die Blütezeit der edlen Warmblüter in Thüringen. Bis 1985 wurden 943 Stuten und 20 Hengste eingetragen und die Rasse machte 1980 fast ein Drittel des Thü-ringer Pferdebestandes aus. Dieser Boom hält bis heute an.
Der Großteil der Thüringer Stuten führte nun durch Vollblut und Trakehner veredeltes mecklenburgisch-hannoversches Blut. Dabei betrug der Anteil 25 % Vollblut, 25 % Warm-blut und 50% Trakehner. Diese Kombination brachte den Pferden eine gute Dressureignung und auch die entsprechende Verwendung als Vielseitigkeitsreitpferd. Pferde mit weniger Edelblutanteil eigneten sich sehr gut für die Touristik, den Fahrsport und die Freizeitrei-terei. Insgesamt waren die Pferde hinsichtlich Blutanteilen und Herkunft dem Sächsischen Warmblutpferd sehr identisch. Die gute Kooperation beider Zuchtländer zeigt sich auch heute noch, denn das schwere Warmblut heißt heute Sächsisch-Thüringisches schweres Warmblut und auch in der Kaltblutzucht gibt es das Sächsisch-Thüringer Kaltblut. Man hat hier gemeinsame Zuchtprogramme und nutzt auch die gekörten Hengste in beiden Zucht-gebieten.
Dieser hohe Zuwachs an edlen Warmblütern war nur möglich weil die Züchter der schweren Warmblüter den Umzüchtungsprozess mitmachten. Ein weiterer Vorteil war die Schnellig-keit des Umbruchs, denn schon die Nachkommen der Anpaarungen von schweren Warm-blütern und Vollblütern konnten in das Stutbuch des edlen Warmbluts eingetragen werden und konnten und deren Brand erhalten. Einen weiteren hohen Anteil am Umzüchtungspro-zess hatten auch die zahlreichen „Staatlich anerkannten Pferdezuchtbetriebe“ für Warmblutpferde die recht schnell auf die neue Zucht und den wachsenden Bedarf an modernen Reit- und Sportpferden reagierten.
Zucht¬zentren für das Thüringer Warmblut waren Erfurt und Gera und das im Jahre 1969 gegründete Gestüt Zöthen. Gerade das Gestüt Zöthen mit seinem damaligen Direktor Herrn Dr. Fritz Wrankmoore und seiner unermüdlichen Arbeit ist es zu danken das Thüringen so hochwertige Sportpferde bieten konnte. Am Anfang konnte die geplante Herde von ca. 100 Zuchtstuten nur fast gänzlich durch Zukäufe aufgebaut werden. Diese Stuten konnten aber nur in den Reinzuchtgebieten von Mecklenburg und Brandenburg erworben werden. Um den Zuchtaufbau zu beschleunigen beauftragte die damalige Zentralstelle für Pferdezucht die damaligen Zuchtdirektionen Nord und Mitte mit der planmäßigen Bereitstellung von geeigneten Zuchtstuten für das Gestüt Zöthen. So konnte der Aufbau des Gestütes im Jahre 1973 abgeschlossen werden. Das Hengstdepot Moritzburg stellte dem Gestüt Spitzenhengste mit denen auch der geplante Zuchtfortschritt erzielt werden konnte. Ab 1980 war man auch in der Lage eigene Hengste zu züchten. Später erlangte das Gestüt als Hengstaufzuchtbe-trieb große Bedeutung. Aus Thüringen, Zöthen und Sachsen konnten jedes Jahr bis zu 60 Hengstanwärter in die im Jahre 1978 neu geschaffenen Hengstprüfungsanstalt nach Neu-stadt/Dosse geschickt werden und beste Leistungen zeigen.
1971 wurde in der damaligen DDR ein einheitliches Prüfungsreglement für dreijährige edle Warmblutstuten eingeführt, welches auch in Thüringen zur Anwendung kam. Ab diesem Zeitraum änderte sich auch der Blutanteil der Hengste. Bis 1970 führten fast alle Hengste große Anteile von ostpreußischem Blut und die bedeutendste Blutlinie war die Trakehner DINGO-DAMFROSS-Linie. Zu Beginn der 80er Jahre gewannen die nun neu in die Zucht gekommenen Hengste mit vermehrt hannoverischem Blut an Bedeutung.
Mit der deutschen Einheit im Jahre 1990 eröffneten sich den Thüringer Züchtern neue Möglichkeiten. Die staatlich anerkannten Pferdezuchtbetriebe verschwanden und private Züchter kamen. Leider wurde auch das Gestüt Zöthen aufgelöst und man konnte den wertvollen Stuten- und Fohlenbestand durch das Vorkaufsrecht der Thüringer auch für das Land Thüringen erhalten. Nach der Auflösung wurde die bereits bestehende Zusammen-arbeit mit dem sächsischen Landgestüt Moritzburg verstärkt, das den Thüringer Züchtern hochqualifizierte Landbeschäler zur Verfü¬gung stellt.
Im selben Jahr wurde der „Verband Thüringer Pferdezüchter e. V.“ gegründet. Durch die Zusammenarbeit mit den bundesdeutschen Pferdezuchtverbänden im Rahmen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) übernahm auch der Thüringer Verband die Rassebezeichnung und auch das Zuchtziel der alten Bundesländer. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Sammelbegriff „Deutsches Reitpferd“ verbindlich, der im Thüringer Zuchtgebiet
durch die Bezeichnung „Thüringer Reitpferd“ vertreten ist und mit der Anbringung des Verbands-Brandes am Pferd dokumentiert wird. Ansonsten gelten die für das Deutsche Reitpferd beschriebenen Zuchtziele, Bewertungen und Prüfungen.
Durch die Grenzöffnung konnten sehr gute Hengste aus den alten Bundesländern nach Thüringen/Sachsen geholt werden. Diese Importhengste konnten 1997 den bedeutendsten Linien zugeordnet werden. Die umfangreichste Linie mit 6 Hengsten ist die PHALARIS xx-Linie, davon 4 die über LADYKILLER xx-LANDGRAF und 2 die über LADYKILLER xx-LORD kommen. 3 Hengste entstammen der RAMZES-Linie und je 2 der FLINGARTH-Linie, der ISINGLASS xx-Linie und der RANTZAU xx-Linie. Mit dem Einsatz dieser Hengste und noch 4 Hengsten aus der alten DDR-Zucht war die radikale Umstellung des Hengstbestandes in Moritzburg abgeschlossen. Auf der Basis der Kombination bodenständiger Stuten mit importierten Hengsten konnten in der Folgezeit weitere gute Hengste gekört werden und in den Thüringer Zuchteinsatz kommen. In den nächsten Jahren konnten sich die Thüringer Pferde auf vielen Championaten, Reitveranstaltungen, Pferdemessen und Leistungsprüfun-gen der nationalen Konkurrenz stellen und beachtliche Erfolge zeigen. So konnte sich das in Zöthen gezogene Stutfohlen ALASKA, geboren 1990 v. GLISTAN 1451 aus einer VARGAS xx-Mutter beim „Fohlenchampionat für Deutschland“ gegen die starke gesamtbundesdeutsche Konkurrenz von 50 Stutfohlen als Siegerfohlen durchsetzen.
Das Thüringer Reitpferd ist ein harmonisches Reitpferd mit einem trockenen, ausdrucksvol-len Kopf, einem gut ge¬formten Hals und einer schrägen Schulter. Der Widerrist ist mar-kant, der Rumpf tief, der gerade Rücken endet mit einer langen Kruppe. Das trockene Fundament zeigt korrekte Gelenke und gute Hufe. Die Größe liegt bei ca. 165 cm. Es kommen alle Grundhaarfarben vor.
Die Pferde sind sehr Nervenstark, haben einen guten Charakter und ein angenehmes Temperament. Die fleißigen, taktmäßigen und raumgreifende Grundgangarten machen diese Pferde zu einem bevorzugten Reit- und Sportpferd.

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