Infos zu (MANGALARGA MARCHADOR (BRASILIANISCHER TÖLTER, JUNQUEIRA, SUBLIME PFERD))


Rassenname:
MANGALARGA MARCHADOR (BRASILIANISCHER TÖLTER, JUNQUEIRA, SUBLIME PFERD)

Zuchtland:
Brasilien

Zuchtgebiet:
Nordosten und Süden

Besonderheiten:
D a s Nationalpferd Brasiliens, Name der Rasse von der Zuchtfarm und dem typischen Gang

Größe:
146 cm bis 157 cm

Gruppe:
Gangpferderasse

Blut:
Warmblut

Brasilien, eines der größten Länder der Erde, rühmt sich auch den größten Pferdebestand der Erde zu haben. Eng verbunden ist die Geschichte dieses Landes mit dem Königshaus von Portugal und daher auch mit den Pferden der iberischen Halbinsel. Noch immer sind heute über 50% der brasilianischen Pferde Nachkommen der berühmten Pferde der Kon-quistadoren und leben in solch tollen und guten Rassen wie dem Mangalarga Marchador, dem brasilianischen Crioulo und dem Campolina weiter. Die Anzahl dieser Pferde beträt in Brasilien über 350.000 Tiere, im Gegensatz dazu gibt es nur ca. 150.000 vollblütigere Reitpferde, wie Araber, Anglo Araber oder deren Kreuzungen.
Am bekanntesten und beliebtesten ist der Mangalarga Marchador – das Nationalpferd Bra-siliens. Dieses vielseitige, robuste und arbeitswillige Pferd ist gegenüber dem einheimischen und eher gewöhnlichen Crioulo und anderen Pferderassen ohne Gangveranlagung eine deutliche Bereicherung für die dortige Reiterwelt.
Der Marchador ist ein ungemein vielseitiges Pferd. Sein Einsatz reicht von der landwirt-schaftlichen Arbeit, über Vieh treiben, Verwendung als Reit- und Sportpferd, Nutzung als Distanzreitpferd bis hin zum Einsatz als Touristikreitpferd und sogar Polosportpferd. Wie gut diese Pferde sind zeigen zwei Rekorde dieser Pferde, einer international und einer eher national. Im Jahre 1994 machten zwei 60jährige Männer mit diesen Pferden einen Distanz-ritt über ca. 14.000 km in 1 ½ Jahren. In der ganzen Zeit benutzen sie die gleichen Pferde. Dieser Ritt wurde in das GUINESS BUCH eingetragen und ist bezeichnend für die Ausdauer und Klasse dieser Rasse.
Drei Jahre später, 1997, wurde ein Marchador zum besten Distanzreitpferd Brasiliens und stach sogar Araber und Anglo Araber aus. Die Brasilianer erfreuen sich in manchen Gebie-ten der Rotwildjagd zu Pferde und dabei müssen die Pferde in der Lage sein pro Tag an die 80 km über unwegsamstes Gelände zu laufen und das meist über drei bis vier Tage. Bei einer Prüfung oder Veranstaltung dieser Art wurden anhand dieser Vorgaben Pferde ver-schiedener Rassen miteinander verglichen.
Heute unterliegen die Mangalarga Marchadores einer strengen Prüfung was Körperbau, Temperament und Gangvermögen betrifft. Zur Zucht werden nur Pferde zugelassen die drei Jahre alt sind und die strengen Zuchtkriterien, die auch vom brasilianischen Landwirt-schaftsministerium überwacht werden, erfüllen.
Der Mangalarga Marchador oder besser gesagt Marchador, um eine Verwechselung mit dem nur dreigängigen Mangalarga Paulista zu vermeiden, ist auch noch als brasilianischer Tölter, Junqueira und Sublime Pferd in der Literatur zu finden.
Diese Pferderasse zählt zu den einzigartigsten und besten Gangpferden der Welt, wenn man allein die Abstammung und Entstehung betrachtet. Leider liegt die genaue Entstehung die-ser Pferderasse noch immer etwas im Verborgenen. Diese Rasse ist das Produkt von reichen Haziendabesitzern die ein Pferd für ihre riesigen Ländereien brauchten, um diese einerseits zu bewirtschaften oder zu durchreiten. Die Heimat dieser Pferde ist der Nordosten und der Süden des Landes, besonders die Staaten Minas Gerais und Rio de Janeiro. Der Ursprung dieser Rasse reicht weit in die Kolonialzeit Brasiliens zurück, denn alle eingeführten Pferde der Portugiesen, meist spanischer, portugiesischer und afrikanischer (Berber) Abstammung vermischten sich mit schon ansässigen Pferden und schufen den brasilianischen Crioulo.
Die spätere Geschichte und Entstehung des Mangalarga Marchadores ist auf alle Fälle eng mit der Geschichte der portugiesischen Königsfamilie verbunden. Im Jahre 1807 besetzten französische Truppen ganz Portugal und der portugiesische Hof flüchtete vor NAPOLEON nach Brasilien. Dabei nahm die Königsfamilie natürlich auch einen Großteil ihrer besten damaligen Pferde mit. Viele dieser Pferde stammten aus der berühmten Zucht des Gestütes Coudelaria tun Chao und die Pferde führten bestes Blut in sich. 1815 wurde Brasilien gleichberechtigtes Königreich neben Portugal und der damalige König JOHANN VI. der Milde (1737 - 1826) wurde in Brasilien zu DOM JOAO VI., wo er von 1807 bis 1821 regierte und von 1816 bis 1822 auch gleichzeitig König von Brasilien und Portugal war. Sein Sohn PETER I. oder auch bekannt unter DOM PEDRO I. (1798 - 1834) erklärte sich ab 1822 als Kaiser von Brasilien und dankte erst 1831 zugunsten seines Sohnes PETER II wieder ab.
DOM PEDRO I. schenkte seinem Freund, dem BARON von ALDENAS, Gabriel Francisco JUNQUEIRA, im Jahre 1812 einen portugiesischen Alter Hengst. Dieser Hengst, ein Schim-mel mit den Namen SUBLIME, wirkte lange auf der Hazienda Campo Alegre und wurde zum Stammhengst dieser neuen Rasse. Daher wurden diese Pferde vorerst auch unter dem Namen JUNQUEIRA oder SUBLIME PFERD bekannt. Sublime deckte dort zunächst spani-sche Genetten (leichte Andalusier), Crioulos und auch Andalusier. Die Nachkommen dieser Pferde zeichneten sich durch den besonderen Gang, die Marcha und viel Ausdauer aus. Der Baron war Besitzer der Hazienda Campo Alegre, einer Pferdezuchtstätte, wo schon sein Vater Pferde aus einer 70 Jahre alten Zucht aus dem Gebiet Minas Gerais aufgestellt hatte. Diese Farm liegt in der Nähe von Belo Horizonte in Minas Gerais. Der Staat Minas Gerais war bekannt für seine weiten und saftigen Ebenen und seinen reichen Eisen-, Gold- und Diamantenvorkommen. Noch heute werden in Campo Alegre Mangalarga Marchadores gezüchtet. Später verkaufte der Colonel Junqueira die meisten seiner Pferde an die Hazi-enda Mangalarga im Bundesstaat Rio de Janeiro, die sich durch besonders gute Zucht-arbeit hervortat. Dort wurden diese Pferde konsequent weiter gezüchtet mit einem besonde-ren Augenmerk auf die Marcha, dem besonderen Gang dieser Pferde und dem Ziel ein vielseitiges und robustes Arbeits- und Reitpferd zu erhalten. Schnell sprach sich die Qualität dieser Pferde bei den dortigen Viehzüchtern herum und der Vorteil des besonderen Ganges dieser Pferde wurde für sie nutzbar. Von dieser Farm und einen gleichnamigen Berg, sowie ihrem Gang haben diese Pferde auch ihren neuen Namen. So wurde aus Marchador der Name Mangalarga Marchador. Später kamen auch vereinzelt holländische Pferde, Araber, Anglo Araber und American Saddlebred Horse in der brasilianischen Zucht vor. Um 1850 entwickelten sich durch Einkreuzung von Stuten dieser Rassen zwei Zucht-linien. Die der nicht trabenden aber die Marcha zeigenden Marchadores und die nur tra-benden Paulistas. Im Jahre 1860 ordnete man letztendlich die Marcha Pferde und die Tro-tada Pferde zwei unterschiedlichen Klassen zu. Die endgültige Trennung in zwei Rassen erfolgte 1934 als sich die Paulistazüchter zu einem eigenen Verband zusammenschlossen und im Jahre 1949 der brasilianische MANGALARGA – MARCHADOR - Züchterverband gegründet wurde. Er betreut heute über 7.000 Züchter und Mitglieder und über 400.000 registrierte Pferde. Dieser Verband züchtet streng nach den Kriterien und Linien der Hazienda Campo Alegre und es gibt sehr viele Pferde die in ihrer Abstammung seit 180 Jahren kein oder ganz wenig Fremdbluteinfluss zeigen. Dies haben auch durchgeführte genetische Studien belegt.
Der Mangalarga Marchador ist nun auch in vielen anderen Ländern der Welt heimisch geworden. Man findet ihn in Portugal, Italien, Spanien, in der Schweiz, in Holland und in vielen weiteren südamerikanischen Ländern.
In Deutschland wurden die ersten Marchadores im Jahre 1987 auf der EQUITANA gezeigt und dort leider falsch als normale Tölter vorgestellt. Seit 1991 stehen solche Pferde auch in den USA und erfreuen sich stetig wachsender Popularität
Was ist nun die Marcha? Worin unterscheidet sich dieser vom Tölt, Paso Fino oder Paso Llano anderer bekannter südamerikanischer Gangpferde?
Marcha bedeutet im spanischen „marschieren“. Diese Pferde legen einen flotten Gang mit wenig störender hoher, kurzer und versammelter Aktion (Paso Fino) und Termino, raum-greifende und auswärtsdrehende Bewegung der Vorderhand (Paso Peruano), vor. Dieser Gang ist, wie bei allen südamerikanischen Gangpferden, angeboren!
Die Marcha wirkt leicht und flott und ist für den Reiter sehr angenehm zu reiten. Man hat das Gefühl das Pferd schlurft oder fliegt ohne großartige Beinaktion über das Gelände.
Weiterhin unterscheidet sie sich, besonders gegenüber dem enger verwandten Tölt, in der Fußfolge und dem Takt. Auch dieser Gang wird in verschiedenen Tempi und Qualitäten gezeigt. Die Marcha ist ein Gang der dem Tölt ähnlich ist, aber mit weniger hoher Aktion und Schnelligkeit im Gesamtbild gezeigt wird. Die Pferde gehen eine Mischung von dia-gonalen und lateralen Fußfolgen, wobei die Pferde beide Beine einer Seite, ähnlich wie beim Pass, aber nicht gleichzeitig, sondern einzeln und hintereinander abfußen. Also ein sym-metrisch marschierender Gang im Viertakt mit einer wechselnden lateralen und diagonalen Zweibeinfußung unterbrochen durch kurze Momente der Dreibeinfußung.
Die Marcha Batida
Kennzeichnend ist hier die deutliche diagonale Bewegung der Gliedmaßen des Pferdes. Die Aktion der Vorderhand ist flacher und raumgreifender als bei der Picada und die Hinter-hand tritt weiter unter. Vom Klangbild her erinnert dieser Gang an einen Zweitakt bei dem ein Echo zu hören ist.
Marcha Ideal, Marcha Media, Marcha Verdadeira oder Marcho do Centro
Dieser Gang gilt als das Idealmaß der Mitte. Der Gang erscheint diagonal verschoben und zeigt, wie bei der Batida und Picada, keine Schwebephase.
Er soll die Bequemlichkeit der Picadas mit dem Raumgriff der Batidas verbinden. Nur we-nige Pferde und Reiter können diesen Gang rein zeigen, denn es gehören Erfahrung und ein gut ausbalanciertes Pferd dazu.
Marcha Picada
Kennzeichnend bei diesem Gang ist die etwas kürzere und höhere Aktion der Gliedmaßen, die Hinterhand tritt oft nicht so weit unter wie bei der Batida.
Vom Klangbild her erinnert der Gang an einen Viertaktrhythmus vom bekannten „Black and Decker“-Spruch. Wenn der Gang nicht rein ist und verstärkt in die laterale Phase kommt, kann sich der Gang verändern. Meist sind die Pferde vom Reiter sehr weich und bequem zu sitzen, nur wenn die Aktion zu hoch ist, wird es für den Reiter unangenehmer.
Im Unterschied zum üblichen brasilianischen Crioulo steht der Mangalarga Marchador mehr im Typ eines eleganten Reitpferdes. Dabei gibt es Pferde im kräftigeren barocken Typ und auch Pferde im feineren arabisierten Typ, doch beide stehen deutlich im Quadrattyp.
Der Marchador ist ein harmonisch gebautes Pferd mit einem kurzen und kräftigen Rumpf und einem stabilen Fundament. Insgesamt ein edeler, trockener und langer Kopf mit geradem Profil und klugen und leb¬haften Augen. Besonders typisch sind die steil aufge-richteten Ohren mit nach innen zeigenden Spitzen, ähnlich wie bei den indischen Kathia-wari- und Marwari Pferden. Langer, gut angesetzter Hals, oft ein Hirschhals. Ausgeprägter Widerrist. Starke, lange und schräge Schulter, oft etwas steil. Kurzer Rücken mit starker Nierenpartie und langer, kräftiger und leicht geneigter Kruppe mit tief angesetztem Schweif. Wenig Gurttiefe (Im Unterschied zum nahe verwandten Campolino der mehr Gurttiefe hat). Die Gliedmaßen sind sehr trocken und stark bemuskelt, haben langen Röhren (Im Unter-schied zum Cam¬polino der kürzere Röhren hat) und haben markante und sehr trockene Gelenke. Die hinteren Fesseln sind mittellang und weicher als die Vorderfesseln und bieten daher beste Voraussetzungen für die Marcha. Die Hufe sind mittelgroß, dunkel und fest und sollen vorn eine Stellung von 51 - 53% und hinten eine von 52 - 54% haben. Die Größe liegt bei ca. 146 cm bis 157 cm und das Gewicht bei ca. 450 kg bis 550 kg. Das Langhaar soll fein und seidig sein. Es gibt Braune, Hellbraune, Schimmel, Stichelhaar und gelegentlich Füchse und andere Farben, Cremellos, Perlinos, reine Albinos und andere Pferde mit blauen Augen sind von der Zucht ausgeschlossen. Neuerdings gibt es Schecken in der Zucht, die unter der Bezeichnung PAMPA bekannt sind. Weiterhin sind, dem Trend zur Farbe entspre-chend, auch Palominos und Rappen zu finden, die natürlich auch entsprechend teuer sind.
Die Brasilianer bevorzugen den Schimmel und er ist dort am meisten vertreten, vor allem weil die Paulistazüchter fast alle dunklen Pferde aufkauften und in ihre Zucht aufnahmen.
Der Mangalarga Marchador ist sehr ausdauernd, hart, temperamentvoll, genügsam und sehr leichtrittig. Weiterhin zeichnet er sich durch eine hohe Intelligenz, ein sehr freundli-ches Wesen, einen festen Charakter und einfachem Umgang aus. D a s Pferd für den Distanzreiter, Wanderreiter und sportlichen Freizeitreiter.

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