Infos zu (POLNISCHER ARABISCHER VOLLBLÃœTER)


Rassenname:
POLNISCHER ARABISCHER VOLLBLÜTER

Zuchtland:
Polen

Zuchtgebiet:
Ganzes Land

Besonderheiten:
Gelten als die schönsten Araber außerhalb des Originalzuchtgebietes

Größe:
155 cm bis 160 cm

Gruppe:
Rasse

Blut:
Vollblut

Polen war und ist in seiner Geschichte bekannt für eine hervorragende Pferdezucht und weiterhin bekannt für exzellente Pferdezüchter und Pferdekenner. Es ist schon immer ein Land der Pferde und der Liebhaber schneller und schöner Pferde gewesen. Schon sehr früh wurden in Polen durch die polnischen Herrscher königliche Ge¬stüte aufgebaut die eng mit dem besten Pferdezüchtern zusammenarbeiteten und auch stets mit besten Pferdematerial
bestückt waren. So kam es zu der Entwicklung eines weit bekannten und geschätzten Truppenpferdes mit dem die pol¬nische Kavallerie berühmt wurde und gefürchtet war. Leider hatten die polnischen Züchter viele Rückschläge in ihrer Zucht hinzunehmen, da Polen einerseits oft besetzt wurde und damit stets bestes Pferdematerial in feindliche Hände kam. Nach der staatlichen Unabhängigkeit Polens, im Jahre 1918 erholte sich die Pferdezucht sehr schnell und Erfolge zeigten sich auf internationalen Turnieren und bei den olympischen Spielen von 1924/26 und 1936, wo polnische Reiter sehr erfolgreich bei den Reiterwettkämpfen waren. Nach den beiden Weltkriegen versuchte man die bestehenden Rassen zu verbessern und neue leistungsfähigere zu entwickeln. Doch besonders die Vollblüter waren in Polen schon immer sehr geschätzt und beliebt. Die Zucht von Arabischen Vollblütern wird seit über 100 Jahren und die von Englischen Vollblütern noch 100 Jahre länger betrieben und ist in den Jahren auch von vielen verschiedenen Niederlagen und Rückschlägen gezeichnet worden. Besonders bekannt sind heute die Polnischen Arabischen Vollblüter. Sie gelten als die schönsten, elegantesten und harmonischsten außerhalb des Originalzuchtgebietes.
Gezüchtet werden meist Araber des Kuhaylan Typs die eine uralte Abstammung haben und daher heute auf der ganzen Welt begehrt sind. Die Abstammungen mancher polnischer Araber reichen oft bis in das nachgewiesene Unendliche von über 18 Generationen. Fast alle
europäischen Zuchten sind von den Polen beeinflusst und gefördert worden. Schon um
1570 erscheinen Hinweise über Araber, denn der damalige polnische König vergleicht Arabi-
sche Vollblüter mit syrischen und türkischen Hengsten im königlichen Gestüt von Knyszyn. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit Türken wurden zahlreiche arabi¬sche Pferde erobert. In den Jahren 1803 bis 1805 reisten polnische Kommissionen nach Kleinasien um dort orientalische Pferde zu erwerben. Hauptsächlich wurden die Tiere um Aleppo, Damas-
kus und Bagdad erworben. Im Jahre 1845 brachte der polnische Graf DZIEDUSZYCKI 3 sehr gute Stuten aus dem Orient mit, deren Familien heute zu den wertvollsten in Polen zählen. Die Stuten mit den Namen GAZELLA, ZAHARA und MLECHA wurden vielerorts bewundert und brachten später Goldmedaillen auf den Pari¬ser Weltausstellungen von 1867 und 1900 sowie weitere Preise auf nationalen und internationalen Ausstellungen, wie auch einer solchen im Jahre 1873 in Wien. Weiterhin brachte dieser Graf auch die Hengste ILDERIM und später den Hengst KRYZYK nach Polen, wo sie später bedeutendste Linien begründeten. Weitere 150 reinrassige Araber brachte der polnische Graf RZEWUSKI, der lange direkt bei den Beduinen lebte, mit nach Polen. Schon vor den beiden Weltkriegen war
die Zuchtstätte Janow Podlaski weltweit als beste dieser Art außerhalb des Originalzucht-
gebietes bekannt, sowie einige kleinere Privatzuchten in Russland. Nach dem ersten Welt-
krieg wirkten in Gestüt die Hengste BAKSZYSZ, geb. 1901 v. MLECH I (er war auch der Vater der Hauptbeschäler ENVER BEX und EFFENDI, sowie der Mutter des legendären OPIR), ferner KOHEILAN I, geb. 1922 in Babolna, der in den Jahren 1926 bis 1937 am
meisten im Gestüt genutzt wurde.
Diese Hengste und wenige Stuten und Fohlen waren den Züchtern nach dem Krieg noch zur Zucht verblieben da ein Großteil des Pferdematerials verloren ging oder in den Kriegswirren umkam. Die Zucht erholte sich erst wieder mit der Anschaffung eines Juwels für die weitere Zucht, mit dem Hengst KOHAILAN HAIFI, den der Prinz SANGUSZKO im Jahre 1931 von einer Reise zu den Rualla - Beduinen mit nach Polen brachte. Dieser Braune brachte in der Verpaarung mit der polnischen Stute DZIWA den legendären Hengst OFIR, geb. 1933 der über seine Söhne WITRAZ und WIELKI SZLEM (Polen), WITEZ (USA) und WIND (Deutschland) weltweite Ver¬breitung fand und eine eigene Linie in Polen begründete. Eine weitere Linie schuf der Hengst KUHAILAN AFAS, der besonders über seinen Enkel COMET wirkte. Die Hengste BAIRACTAR, er besonders über seinen Nachkommen AMURATH, sowie KRZYZYK, ILDERIM und IBRAHIM, er besonders über seinen Sohn SKOWRONEK und SAKLAWI I wirkten weiterhin nachhaltig in der Zucht und gründeten eigene Linien die noch heute be-stehen. Während des zweiten Weltkrieges ging die Zucht fast zugrunde und viele Hengste wurden 1939 von den Russen in den Kaukasus verbracht wo sie im Gestüt Tersk die russische Araberzucht begründeten. Mit den durch ihren Pfleger geretteten Hengsten WIELKI, SZLEM und WITRAZ wurde die polnische Zucht nach dem Krieg wieder aufgebaut, denen später der russische Hengst NEGATIV v. NASEEM v. SKOWRONEK und der ABBU APAS Sohn COMET folgten.
Die bekanntesten Linien sind heute: Die Linie KUHAILAN HAIFI (Or. Ar.) wurde von dem
gleichnamigen Hengst begründet der im Jahre 1931 nach Polen kam. Er war ein wunder-
schöner brauner Hengst mit einem hohen Widerrist, einem kurzen Rücken und einer lan-
gen Kruppe und einem recht langen, leicht schweren Hals. Seine bedeutendsten Nachkom-
men waren sein Sohn OFIR, seine Enkel WIELKI SZLEM und WITRAZ, sowie deren Nach-
kommen von denen die Hengste BANDOS und BANAT mit ihrer Mutter der Stute BANDOLA (die Perle von Janow Podlaski) die bekanntesten sind. Weiterhin stammen aus dieser Linie die bekannten Vererber EUROPEJCZYK, geb. 1982 und ETOGRAM, geb. 1981.
Die Linie KUHAILAN AFAS (Or. Ar.) Begründer ist der gleichnamige Hengst, der diese Linie be¬sonders über seinen Urenkel COMET v. ABU AFAS prägte. Sein Enkel, der Hengst
PROBAT brachte die in Polen erloschene Linie wieder in die Zucht mit dem Import dieses Hengstes aus Schweden. Pferde dieser Linie sind bei Züchtern und Liebhabern beson¬ders begehrt, wegen ihrer aufregenden Schönheit und Anmut. Im Gestüt von Nowy Dwor war der Hengst ABU AFAS, geb. 1949 lange Zeit in der Zucht eingesetzt.
Die Linie BAIRACTAR AMURATH, wurde von dem Hengst BAIRACTAR, geb. 1813 begründet und von einem seiner Nachkommen, dem Hengst AMURATH weiter bekannt. Dessen Sohn AMURATH SAHIB konnte nach 1940 als Hauptbeschäler für die polnische Zucht er¬worben werden. Von dieser Linie stammen einige der Perlen der polnischen Stuten, wie SIGLAVY BADDADY, ANIELKA, LALA und AMNERIS.
Die Linie KRZYZYK (Or. Ar.) ist die älteste polnische Linie und wurde durch den gleichnami-
gen Hengst begründet. Ein herausragender Hengst und auch bekannter „Stutenmacher“ dieser Linie war BANAT v. EL AZRAK a. d. BAN-DOLA, der später leider in Arabien einging. Die Linie ILDERIM (Or. Ar.) wurde auch durch einen Hengst mit gleichem Namen begründet und ist besonders durch den Hengst FETYSZ be¬kannt geworden, der in Trakehnen eine ei-
gene Linie schuf.
Die Linie IBRAHIM (Or. Ar.) wurde vom Hengst Ibrahim begründet und die Pferde dieser Linie sind meist Schimmel mit bestechendem Adel und bezaubernder Schönheit. Die Köpfe sind edel und trocken, haben große und ausdrucksvolle Augen und kleine und zierliche Ohren. Das Genick ist fein, der Hals lang, geschwungen und hoch angesetzt. Der Rücken ist recht lang und die Kruppe flach und der Schweif ist hoch angesetzt und wird sehr schön getragen. Bedeutendster Vertreter dieser Linie ist der Hengst SKOWRONEK. Diese Linie war in Polen fast erloschen und kam erst wieder durch seinen Enkel NEGATIW v. NASEEM in das Land zurück. NEGATIW wirkte besonders über seine drei Söhne SALON, NABOR und BANDOS und deren Nachkommen EUKALIPTUS, PERLON und PERS.
Die Linie SAKLAWI I. Diese Linie wurde durch den Hengst PALAS v. ASWAN a. d. PANEL v.
NIL, geb. 1968 in Ägypten, nach Polen gebracht. Dieser Hengst wurde zu einem Spitzenvereber und zahlreiche seiner Nachkommen wurden Champions oder zu Rekordsum-
men verkauft. Seine drei Söhne ERNAL, HARACZ (heute in den USA) und WIEDEN sind die bekanntesten Vertreter.
Neben den Hengstlinien dürfen auch die guten Stutenfamilien nicht unerwähnt bleiben. Dies sind: ALGONKINA, BANDOLA, PIEWICA, ELA, ESTOKALA, FORTA, EUFONIA und PENTOZA.
Die bekanntesten Gestüte polnischer Zucht sind das Gestüt Michailow, wo man früher eine reine Saklawizucht anstrebte, das Gestüt Janow Podlaski mit ca. 300 Arabischen Vollblü-tern und ca. 100 Anglo Arabern, als Hauptzuchtstätte in der ehemals nur Kuhaylans gezo-
gen wurden und die neuen Zuchtstätten in Kurozweki und die in Bialka, eigentlich ein Hengstdepot. Die bekanntesten Hengste aus diesen Gestüten sind EUKALIPUS v. BANDOS (Janow Podlaski) und WETERAN v. FAWOR (Michailow). Heute haben sich die Zuchtziele vermischt und es wird ein einheitlicher reiner Araber gezogen der die Merkmale beider Typen hat.

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